Snap ist ein von Canonical entwickeltes Paketformat für Linux, das Anwendungen samt aller benötigten Abhängigkeiten in Container-ähnlichen Paketen bündelt und über eine eigene Infrastruktur verteilt wird. Es zielt darauf ab, Software distributionsübergreifend bereitzustellen, leichter zu aktualisieren und besser zu isolieren als klassische Paketformate wie deb oder rpm.
Was ist Snap?
Snap besteht im Kern aus drei Komponenten: Dem Paketformat „snap“, dem Dienst „snapd“ als Laufzeitumgebung und dem zentralen Store, über den Pakete bereitgestellt werden. Anwendungen laufen in einer isolierten Umgebung, die zur Laufzeit vom System geladen wird und weitgehend unabhängig von der klassischen Paketverwaltung funktioniert.
Wichtig ist der containerartige Ansatz: Eine Snap-Anwendung bringt alle benötigten Bibliotheken mit, sodass sie auf verschiedenen Distributionen mit gleicher snapd-Version identisch funktioniert. Dadurch nähert sich Snap konzeptionell Containern an, ohne ein vollständiger Ersatz für Docker & Co. zu sein.
Stärken und Vorteile
Die häufigsten Argumente für Snap sind:
Distribution‑unabhängig
Snaps laufen auf vielen Distributionen (u. a. Ubuntu, Fedora, Debian, Arch), solange snapd vorhanden ist.
Aktualität
Anwendungen können schnell und oft aktualisiert werden, auch auf älteren Systemen, deren klassische Repositories eingefroren sind.
Automatische Updates und Rollback
Snap aktualisiert Pakete im Hintergrund und erlaubt bei Problemen einfaches Zurückrollen auf eine vorherige Version.
Sandbox‑Sicherheit
Snaps laufen standardmäßig isoliert vom restlichen System, was Angriffsflächen reduziert und fehlerhafte Software besser eingrenzt.
Mehrere Versionen parallel
Über Kanäle (stable, beta, edge etc.) können verschiedene Versionen derselben Anwendung gleichzeitig installiert und genutzt werden.
Gerade für LTS‑Nutzer und Anbieter häufig aktualisierter Software (z. B. Browser, Serverdienste) ist Snap deshalb attraktiv.
Kritik und Kontroversen
Trotz der technischen Vorteile ist Snap in der Linux‑Community umstritten. Ein wesentlicher Kritikpunkt ist die starke Zentralisierung über den von Canonical betriebenen Snap‑Store, dessen Server‑Software proprietär ist und nicht frei betrieben werden kann.
Weitere häufig genannte Kritikpunkte sind:
Performance und Ressourcenverbrauch
Snaps starten oft langsamer und benötigen mehr Speicherplatz, da Bibliotheken Paketweise dupliziert werden.
Integrationsgrad
Die enge Kopplung an Canonicals Infrastruktur wird von Teilen der Community als proprietäre „Blackbox“ empfunden.
Distributionspolitik
Ubuntu ersetzt in einigen Fällen klassische deb‑Pakete durch Snaps, was z. B. beim Linux‑Mint‑Projekt für deutlichen Widerspruch gesorgt hat.
Diese Gemengelage erklärt, warum Snap parallel zu Alternativen wie Flatpak diskutiert wird und unterschiedliche Distributionen sehr verschiedene Strategien im Umgang mit dem Format verfolgen.
Typische Einsatzszenarien
Snap wird vor allem dort eingesetzt, wo schnelle Updates, breite Distribution und Isolation wichtiger sind als minimale Ressourcenlast.
Beispiele sind:
Desktop‑Apps
Browser, IDEs, Office‑Software und andere Anwendungen, die häufig aktualisiert werden.
Server‑Dienste
Insbesondere auf Ubuntu Core, einer minimalen Ubuntu‑Variante, die vollständig auf Snaps setzt.
Spezial‑Stacks
Anwendungen, die auf bestimmten Laufzeitumgebungen oder Bibliotheksversionen bestehen, ohne die Systembasis anzutasten.
Für Entwickler bietet Snap vor allem den Vorteil, ein Paket einmal zu bauen und über viele Distributionen hinweg konsistent auszuliefern, inklusive automatischer Update‑Verteilung und Versionierung.
Installation – außerhalb Ubuntu
Möchte man bspw. Snap unter Debian 13 nutzen, ist folgende Vorgehensweise empfohlen:
Paketquellen aktualisieren
sudo apt update
Snapd installieren
sudo apt install snapd
snapd‑Dienst aktivieren
sudo systemctl enable --now snapd.socket snapd.service
Neue Pfade laden (damit /snap/bin im PATH ist, ggf. nach Reboot sonst)
source /etc/profile.d/apps-bin-path.sh
Gängigste Snap‑Befehle
Installieren eines Snaps
sudo snap install <paket>
Entfernen eines Snaps
sudo snap remove <paket>
Installierte Snaps auflisten
snap list
snap find <suchbegriff>
Paketinformationen anzeigen
snap info <paket>
Snap‑Anwendung deaktivieren
sudo snap disable <paket>
Snap‑Anwendung aktivieren
sudo snap enable <paket>
Alle Snaps aktualisieren
sudo snap refresh
Diese Befehle decken praktisch alle Alltagsszenarien ab – von Installation und Updates bis zur Fehlersuche, wenn ein Snap Probleme macht.
Fazit
Snap von Canonical vereint Vorteile moderner Paketformate wie Isolation, automatische Updates und Distributionsunabhängigkeit in einem Container-ähnlichen System. Es eignet sich hervorragend für Entwickler und Nutzer, die aktuelle Software ohne Versionskonflikte wollen, besonders auf LTS-Systemen wie Debian oder Ubuntu.
Trotz Kritik an Performance und Zentralisierung bleibt Snap eine starke Option neben Flatpak.

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