Linux Mint stellt sein Release-Modell grundlegend um: Statt wie bisher etwa alle sechs Monate eine neue Version und im Jahresverlauf mehrere Punktupdates zu veröffentlichen, soll künftig einmal pro Jahr eine größere Mint-Version erscheinen. Die nächste Ausgabe heißt Linux Mint 27 „Adrien“, ist für Weihnachten 2026 geplant und basiert auf Ubuntu 26.04 LTS.

Ein Jahreszyklus statt halbjährlicher Sprünge

Projektleiter Clement Lefebvre erklärt im offiziellen Mint-Blog, dass dies das erste Mal sei, in dem das Team ein volles Jahr für die Entwicklung einer Mint-Version verwendet. Der Wechsel vom bisherigen Sechs-Monats-Rhythmus zu einem jährlichen Zyklus sei eine schwierige Entscheidung gewesen, zahle sich aber aus: Größere Umbauten, umfangreichere Fehlerbehebung und ambitioniertere Projekte ließen sich so besser umsetzen.

Für Anwender bedeutet das nicht das Ende von Updates. Sicherheitsaktualisierungen, Fehlerkorrekturen und neue Paketversionen kommen weiterhin über die normalen Paketquellen. Entfallen sollen lediglich die klassischen Punktversionen wie 22.1, 22.2 oder 22.3, die bisher kleinere Funktions- und Politurupdates zwischen zwei Hauptversionen markierten.

Neue Nummerierung: 27, 28, 29

Die Versionsnummer soll künftig das jeweils folgende Jahr widerspiegeln. Linux Mint 27 erscheint Ende 2026 und begleitet damit das Jahr 2027; darauf folgen Mint 28 Ende 2027 und Mint 29 Ende 2028.

Damit verschwindet die bisherige Staffelung mit Zwischenversionen. Nach Mint 27 wird es kein Mint 27.1 oder 27.2 geben, sondern direkt Mint 28. Lefebvre beschreibt den künftigen Upgrade-Pfad ausdrücklich als „von 27 auf 28 auf 29 und so weiter“.

Bisheriges ModellKünftiges Modell
Hauptversion etwa alle sechs MonateEine Hauptversion pro Jahr
Punktversionen wie 22.1, 22.2, 22.3Keine Punktversionen mehr
Mehrere kleinere Release-Sprünge pro JahrEin größerer jährlicher Upgrade-Schritt
Beispiel: 22 → 22.1 → 22.2 → 22.3Beispiel: 27 → 28 → 29

Mint 27 basiert auf Ubuntu 26.04 LTS

Linux Mint 27 „Adrien“ soll auf Ubuntu 26.04 LTS aufsetzen. Damit erhält die Distribution eine deutlich aktualisierte Paketbasis, neuere Kernel- und Grafikkomponenten sowie eine moderne Grundlage für Hardware-Unterstützung und Wayland.

Laut Mint-Blog arbeitet das Team unter anderem an der Wayland-Kompatibilität, an internen Werkzeugen und Prozessen sowie an Prototypen für neue Editionen. Linux Mint 27 soll mindestens in den gewohnten Varianten mit Cinnamon, Xfce und MATE erscheinen.

Was heißt das für bestehende Mint-Systeme?

Für Nutzer von Linux Mint 22.x ändert sich zunächst nichts am alltäglichen Betrieb: Das System bleibt auf seiner aktuellen Ubuntu-Basis und erhält weiterhin reguläre Updates. Der Wechsel auf Mint 27 wird jedoch ein Release-Upgrade sein, kein gewöhnliches apt full-upgrade, weil dabei die zugrunde liegende Ubuntu-Version von 24.04 auf 26.04 wechselt.

Ubuntu unterstützt Release-Upgrades grundsätzlich nur schrittweise: von einer LTS-Version zur nächsten LTS-Version oder von einer Zwischenversion zur jeweils nächsten. Für Mint-Nutzer ist der konkrete, offiziell unterstützte Upgrade-Weg auf Mint 27 allerdings noch nicht veröffentlicht; dieser wird erst mit dem Release bzw. der entsprechenden Mint-Anleitung feststehen.

Bis dahin ist die risikoarme Strategie klar: Mint 22.3 weiter aktuell halten, Timeshift-Snapshots pflegen, wichtige Daten extern sichern und Fremdquellen dokumentieren. Erst wenn das Mint-Team das Upgrade-Verfahren freigibt, sollte der Sprung auf Mint 27 erfolgen.

Mehr Entwicklungszeit, weniger Release-Takt

Die Umstellung ist auch eine Reaktion auf die wachsende Komplexität des Linux-Desktops. Wayland, aktualisierte Grafikstapel, neue Desktop-Technologien und die Pflege mehrerer Editionen erfordern erhebliche Test- und Abstimmungsarbeit. Ein Jahreszyklus gibt dem Mint-Team mehr Zeit, diese Änderungen stabil zu integrieren, statt Entwicklungskapazität auf häufige Punktversionen zu verteilen.

Gleichzeitig bleibt Mint seinem Anspruch treu, eine wartungsarme und verlässliche Distribution zu sein. Die jährlichen Versionen sollen keine experimentellen Zwischenschritte sein, sondern jeweils eine abgeschlossene, auf einer Ubuntu-LTS-Basis ruhende Plattform bilden.

Fazit

Linux Mint 27 „Adrien“ markiert einen strategischen Neuanfang: Die Distribution wechselt zu jährlichen Hauptversionen, streicht die Punktversionen und schafft damit einen einfacheren, vorhersehbaren Upgrade-Pfad. Für Bestandssysteme bleibt vorerst alles beim Alten – der eigentliche Umstieg auf Mint 27 wird aber ein sorgfältig vorzubereitendes Release-Upgrade auf die neue Ubuntu-26.04-Basis.

Wer Mint langfristig nutzt, sollte künftig mit einem klaren Rhythmus rechnen: Mint 27 → Ende 2026, Mint 28 → Ende 2027, Mint 29 → Ende 2028 – jeweils mit regelmäßigen Sicherheitsupdates dazwischen.

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