Mit WordCraft, GridCraft und DeckCraft hat das ArtCraft-Projekt drei freie Office-Anwendungen veröffentlicht, die bewusst an die Arbeitsweise von Microsoft Word, Excel und PowerPoint anknüpfen. Die in Rust geschriebenen Programme sind quelloffen, plattformübergreifend verfügbar und richten sich mit vertrauten Oberflächen sowie DOCX-, XLSX- und PPTX-Unterstützung ausdrücklich auch an Linux-Nutzer.

Drei Anwendungen, ein gemeinsames Konzept

WordCraft übernimmt die Rolle einer Textverarbeitung. Das Programm arbeitet mit dem DOCX-Format und bietet laut Projektbeschreibung unter anderem Multifunktionsleiste, Formatvorlagen, Tabellen, Änderungsverfolgung, Verweise und Serienbriefe.

WordCraft – Textverarbeitung

GridCraft ist als Tabellenkalkulation konzipiert und unterstützt XLSX-Dateien…

GridCraft – Tabellenkalkulation

DeckCraft soll Präsentationen im PPTX-Format erstellen und bearbeiten…

DeckCraft – Präsentationen

Alle drei Anwendungen werden als „Clean-Room-Reimplementierungen“ bezeichnet: Sie sollen die vertrauten Arbeitsabläufe der Microsoft-Programme nachbilden, ohne deren Code zu übernehmen. Die Software ist in Rust geschrieben, der Quellcode ist öffentlich zugänglich und wird unter einer Doppellizenz aus MIT und Apache 2.0 angeboten.

Linux-Installationspakete in großer Auswahl

Für Linux-Nutzer ist das Angebot ungewöhnlich vollständig. Die aktuellen Releases enthalten AppImages, Flatpak-Pakete sowie DEB- und RPM-Pakete für x86_64- und ARM64-Systeme – zusätzlich gibt es Archive für RISC-V und FreeBSD sowie eine WebAssembly-Variante für den Browser.

Die Installation erfolgt ohne Konto oder Anmeldung. Damit unterscheiden sich die Programme von vielen modernen Office-Diensten, die auf Cloud-Konten, Abonnements und Online-Speicherung setzen.

Nutzen Sie zur vereinfachten Installation und Aktualisierung den Weg via ArtCraft Launcher – wie hier im Absatz unten beschrieben.

Früher Stand mit ehrgeizigen Zielen

Trotz der beeindruckenden Paketvielfalt handelt es sich noch nicht um ausgereifte Produktivwerkzeuge. ArtCraft selbst stuft die Anwendungen als Alpha beziehungsweise Pre-Alpha ein. Für WordCraft wird eine Abdeckung von rund 87 Prozent der Ribbon-Befehle genannt, während die tatsächliche Funktionsparität mit Word laut eigenen Angaben bei etwa 62 Prozent liegt.

GridCraft erscheint derzeit am weitesten entwickelt: Das Projekt meldet rund 89 Prozent der Ribbon-Befehle und etwa 93 Prozent der Arbeitsblattfunktionen von Excel. Gleichzeitig wird eingeräumt, dass die praktische Alltagstauglichkeit noch deutlich darunter liegen kann, weil nicht jede implementierte Funktion gleich wichtig ist.

DeckCraft befindet sich ebenfalls in früher Entwicklung. Berichten zufolge deckt die Anwendung rund 79 Prozent der PowerPoint-Funktionen ab und ist etwa zu 80 Prozent auf dem Weg zur ersten Alpha-Version. Zu den bereits genannten Funktionen gehören Übergänge, Animationen und ein Präsentationsmodus.

Kompatibilität bleibt der kritische Punkt

Der größte Nutzen dieser Werkzeuge hängt an der Zusammenarbeit mit bestehenden Office-Dateien. WordCraft kann DOCX grundsätzlich lesen und schreiben, doch die Kompatibilität ist noch nicht belastbar getestet. Berichte verweisen darauf, dass beim erneuten Speichern von DOCX-Dateien unter anderem Diagramme, SmartArt und eingebettete OLE-Objekte verloren gehen können.

Genau hier liegt die Grenze zwischen vielversprechendem Projekt und verlässlichem Ersatz für Microsoft Office. Für den produktiven Einsatz mit wichtigen Dokumenten, Tabellen oder Präsentationen sind daher zunächst Kopien statt Originaldateien ratsam. Auch die Projektbetreiber ordnen die Software ausdrücklich als frühe Entwicklerversion ein.

Bedeutung für Linux

Unabhängig von den aktuellen Einschränkungen ist die Veröffentlichung bemerkenswert. Das Linux-Ökosystem verfügt zwar mit LibreOffice, OnlyOffice und Collabora bereits über leistungsfähige Office-Suiten, doch WordCraft, GridCraft und DeckCraft verfolgen einen anderen Ansatz: native Rust-Anwendungen, ein an Microsoft Office angelehntes Bedienkonzept und eine große Zahl vorgefertigter Linux-Pakete.

Besonders interessant ist die technische Basis. Rust verspricht speichereffiziente und robuste native Anwendungen, während WebAssembly zusätzlich eine serverlose Nutzung im Browser ermöglicht. Die Kombination aus lokalem Betrieb, offiziellem Quellcode und plattformübergreifenden Builds könnte das Projekt langfristig zu einer ernstzunehmenden Alternative machen.

Fazit

WordCraft, GridCraft und DeckCraft sind noch keine fertigen Ersatz-Programme für Microsoft Office, aber ein vielversprechender Neuanfang. Sie bringen frischen Schwung in eine Kategorie, die auf Linux oft von wenigen etablierten Anwendungen geprägt wird, und liefern von Beginn an die Paketformate, die Linux-Nutzer praktisch benötigen.

Entscheidend wird nun sein, ob das Projekt seine schnelle Entwicklungsfrequenz hält und vor allem die Dateikompatibilität systematisch verbessert. Solange die Anwendungen als Alpha gelten, sind sie vor allem für Tests, einfache Dokumente und neugierige Anwender interessant. Als Open-Source-Projekt mit freier Lizenz, lokalem Betrieb und klarer Linux-Unterstützung verdienen WordCraft, GridCraft und DeckCraft jedoch Aufmerksamkeit – und könnten auf Dauer eine willkommene Bereicherung des Linux-Desktops werden.

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