Tenacity ist ein kostenloser, plattformübergreifender Mehrspur-Audioeditor und Recorder für Linux und andere Betriebssysteme, der von Freiwilligen als Open-Source-Software entwickelt wird.
Die Entstehung von Tenacity aus Audacity
Die Geschichte von Tenacity ist eng mit Audacity verbunden. Als Audacity 2021 neue Entscheidungen rund um Telemetrie und Nutzungsbedingungen traf, reagierten Teile der Community mit Kritik und suchten nach einer offenen Alternative. Aus diesem Umfeld entstand Tenacity als Fork, also als eigenständige Weiterentwicklung auf Basis des vorhandenen Audacity-Quellcodes. Ziel war es, einen freien Audioeditor weiterzuführen, der vertraut wirkt, aber andere Prioritäten setzt.

Download und Installation
Tenacity kann über die Projektseite bezogen werden. Dort werden vorgefertigte Builds bzw. Release-Versionen angeboten. Laut Projekt- und Distributionsangaben ist die Software für Linux, Windows und macOS verfügbar. Einige Distributionen führen das Tool im Repository.
Die Flatpak-Version installieren Sie mit folgenden Befehl im Terminal:
flatpak install flathub org.tenacityaudio.Tenacity
Alternativ dazu ein aktuelles AppImage.
Nach der Installation finden Sie die Anwendung unter Menü -> Multimedia.
Anwendungsbeispiel
Bei Tenacity macht sich die Verwandtschaft zu Audacity – nicht nur dem Aussehen nach – schnell bemerkbar. Grundlegende Bedienungselemente und Vorgehensweisen in der Anwendung können fast 1:1 übernommen werden. Wer mit Audacity bereits gearbeitet hat, kommt hier schnell zurecht.
Um Musikdateien zu öffnen, klicken Sie in der Menüzeile auf Datei -> Öffnen – oder aus dem Dateimanager per Kontextmenü -> Öffnen mit Tenacity…
Im Beispiel – ein Download aus YouTube – ist die Musiklautstärke etwas übersteuert. Wir wählen beide Tonspuren mit der Tastenkombination Strg + A in kompletter Länge aus und klicken in der Menüzeile auf Effekt -> Normalisieren …

Wir belassen die Standard-Einstellungen und klicken auf OK.

… und erzielen so eine merkliche Reduzierung der Lautheit. Eine genauere Anpassung erzielt man jedoch mit der im Beitrag MP3 normalisieren mit mp3gain vorgestellten Methode. Für die meisten User dürfte das aber vorerst ausreichen.

Weitere Anpassungen
Nicht selten sind in Musik-Downloads z. B. aus YouTube u. a. Portalen störende Passagen wie längerer Applaus usw. zu hören. Diese lassen sich problemlos mit Tenacity entfernen bzw. verkürzend ein- und ausblenden. Meist sind diese Störquellen am Anfang bzw. kurz vor dem Ende des Musikstücks.
Setzen Sie die Markierung an den Anfang des Applauses und ziehen sie diese ca. 10 Sekunden (orientieren Sie sich dazu in der Zeitskala) mit gedrückter linker Maustaste …

Klicken Sie nun in der Menüzeile auf Effekt -> Ausblenden …

Die Lautstärke wird innerhalb der ausgewählten Zeit langsam reduziert bis -> Aus …

Wir markieren nun das restliche End-Musikstück mit gedrückter linker Maustaste – klicken in der Menüzeile auf Erzeugen -> Stille …

… und erzeugen damit eine sogenannte Stille …

Letztendlich verkürzen wir noch die Dauer der Stille auf 5 Sekunden, indem wir auf der Zeitskala nach 5 Sekunden das hintere Stück markieren und mit Klick auf Entf – Taste den hinteren Bereich löschen …

… und erhalten so das gewünschte Ergebnis …

Zum Schluss erfolgt der Export als z. B. MP3-Datei über Datei -> Exportieren -> Als MP3 exportieren …

Vergeben Sie einen passenden Dateinamen und setzen im letzten Fenster passende Tags und bestätigen mit OK.

Fazit
Tenacity ist eine überzeugende freie Alternative für Musikliebhaber, die einen klassischen Mehrspur-Audioeditor suchen und Wert auf Open Source legen. Für einfache Aufnahmen wie das Schneiden und Verfeinern von Audiodateien bietet es einen soliden Funktionsumfang. Das Tool ist vor allem für Einsteiger, Podcaster und Hobby-Musiker eine interessante Option, zumal die Bedienung stark der von Audacity ähnelt.

Eine Reaktion
ist im Einsatz, feines Stück Software