ClamTk, die bekannte grafische Oberfläche für den freien Linux-Virenscanner ClamAV, wird nicht mehr weiterentwickelt. Stattdessen steht mit ClamUI eine moderne, aktiv gepflegte Alternative zur Verfügung, die eine intuitive Bedienung per Mausklick ermöglicht. Diese Anleitung zeigt Linux-Einsteigern, wie ClamAV samt Daemon installiert, konfiguriert und mit ClamUI ergänzt wird – für sichere Scans ohne komplizierte Kommandozeilen.

Voraussetzungen

ClamAV wird zuerst installiert und konfiguriert – etwas zeitaufwändig aber nur einmalig – dann erfolgt ClamUI. Im Beispiel erfolgt die Einrichtung unter Debian – bei anderen Distributionen weichen die Installationspakete von ClamAV und Daemon entsprechend ab. Alles weitere kann übernommen werden.

ClamAV und clamd installieren

Pakete installieren

sudo apt update
sudo apt install clamav clamav-daemon clamav-freshclam

Dienste konfigurieren

Die Konfiguration des Daemon (Aktionen bei Virenfund, Scantiefe, Scanoptionen, usw.) sind in der Datei /etc/clamav/clamd.conf hinterlegt.
Explizite Einstellungen diesbezüglich werden mit dem Befehl konfiguriert:

sudo dpkg-reconfigure clamav-daemon 

Wechseln Sie im Folgenden mit der Tab-Taste zu den jeweils rot markierten Einträgen, blau hinterlegte Vorgaben nicht verändern und bestätigen jeweils mit Klick auf [Enter]…

Wählen Sie Unix und springen dann per Tab-Taste zu Ok und bestätigen mit der Eingabetaste.

Mit OK bestätigen…

Mit OK übernehmen…

Mit OK übernehmen…

Mit Ja übernehmen…

Mit Ja übernehmen…

Mit Ja übernehmen…

Mit OK übernehmen…

Mit OK übernehmen…

Mit Ja übernehmen…

Mit OK übernehmen…

Und wieder mit OK übernehmen…

Weiter mit OK

Jetzt mal mit Nein

Und nochmal mit OK

Mit Ja übernehmen…

Nochmal mit Ja

Ein weiteres Mal mit OK weiter…

Weiter mit OK

Bitte mit OK weiter…

Nochmal mit Ja weiter…

Wählen Sie im nächsten Schritt zuerst mit der Pfeiltaste nach unten Paranoid und springen dann mit der Tabtaste auf Ok und bestätigen mit [Enter]…

Gleich haben wir es geschafft – vorher nochmal mit OK weiter…

Mit dem letzten Schritt sind die Voreinstellungen erledigt – das Terminal erscheint wieder…

Abschließend wird jetzt noch der Start des Daemon aktiviert im geöffneten Terminal mit:

sudo systemctl enable clamav-daemon

Den aktuellen Status des Dienstes überprüfen wir noch mit:

sudo systemctl status clamav-daemon

Wir starten nun den Dienst nochmal neu mit:

sudo systemctl restart clamav-daemon

…und erhalten in etwa folgende Ausgabe, die die einwandfreie Funktion bestätigt…

Jetzt ist es Zeit, den PC neu zu starten, bevor wir uns der neuen Benutzeroberfläche von ClamAV -> ClamUI zuwenden.

ClamUI installieren

Auf der github-Projektseite wird neben einem *.deb-Installationspaket auch ein AppImage zum Download angeboten. Während das native deb-Paket zu Debian 13 nicht kompatibel ist und das AppImage derzeit keine lokale Übersetzung aufweist, bevorzuge ich die Flatpak-Version, welche stabil und vollständig lokal übersetzt auf Flathub verfügbar ist.

Die Installation erfolgt mit dem Befehl:

flatpak install flathub io.github.linx_systems.ClamUI

Je nach Desktop wird ClamUI im Menü unter Zubehör aufgerufen oder direkt im Terminal:

flatpak run io.github.linx_systems.ClamUI

ClamUI überzeugt mit einer modernen, aufgeräumten Oberfläche…

Bevor wir uns die weiteren Konfigurationsschritte anschauen, starten wir auf der Startseite einen Testlauf mit Klick auf EICAR-Test. EICAR ist ein Testvirus, der keinen Schaden anrichtet – nur die Funktion testet.
Nach erfolgreichen Durchlauf schließen Sie diese Session…

Im nächsten Schritt aktualisieren wir die Datenbank auf neue Virendefinitionen…

Unter Komponenten lässt sich der korrekte Status überprüfen…

Unter Scan lassen sich Such-Profile oder Scanlaufs für einzelne Dateien und Verzeichnisse definieren…

Über das „Hamburger“-Menü auf der Startseite gelangen Sie zu den weiteren, sehr umfangreichen Einstellungen – so z.B. zu der Integration des verwendeten Dateimanagers…

Alle Einstellungen hier durch zuarbeiten, würde den Rahmen sprengen. Ein Blick lohnt sich noch auf Gerätescan

ClamAV im Terminal

Keine Sorge – nur der Vollständigkeit halber – ClamAV lässt sich auch ohne GUI im Terminal nutzen.
Ein recursiver Scan von bestimmten Verzeichnissen wie etwa /home/xfce-user/Dokumente/ ist schnell erledigt mit:

clamscan -rv /home/xfce-user/Dokumente/

Weitere Infos via Terminal dazu:

man clamscan

Noch ein Hinweis auf Flatpak und deren Rechteverwaltung – Evtl. mit Flatseal fehlende Berechtigungen für Dateien, Verzeichnisse und USB setzen…

Fazit

Mit ClamAV in Kombination mit ClamUI steht ein einfaches, modernes Antivirus-Tool für Linux bereit, das sich zu proprietären Pendants für Windows wahrlich nicht verstecken braucht. Anwender scannen damit schnell Downloads oder USB-Sticks. ClamUI macht die Kommandozeile zwar nicht überflüssig, aber vermeidbar.

Noch ein Wort zu Linux und Viren

Linux gilt als deutlich sicherer als Windows, weil es weniger Viren gibt und das Rechte‑ und Paket‑System Angriffe erschwert – vor allem wenn man ohne Root arbeitet und das System regelmäßig aktualisiert wird. Dennoch ist Linux nicht immun. Vor allem auf Servern, Mail‑Gateways oder in gemischten Netzen lohnt sich ein Virenscanner wie ClamAV, um sowohl Linux‑ als auch Windows‑Malware abzufangen.

Titelbild: Designed by Photoroyalty / Freepik

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