Neben all den formalen Paketformaten wie DEB, RPM, Snap, Flatpak, AppImage gibt es eine pragmatische Lösung, die im Alltag häufig anzutreffen ist: Ein komprimiertes Archiv, meist als tar.gz, tar.xz oder zip, das die Anwendung in einer bereits lauffähigen Struktur enthält. Der typische Ablauf sieht dann so aus:
– Archiv herunterladen
Im Beispiel Firefox – Archiv-Datei…

– In ein passendes Verzeichnis entpacken (z.B. unter /opt oder im Home-Verzeichnis)
– Die ausführbare Datei im bin- oder Hauptordner starten, ggf. vorher ausführbar machen
Startdatei im entpackten Ordner…

– Optional einen Desktop-Starter (.desktop-Datei) oder einen Eintrag im PATH anlegen
Technisch ist dieses Archiv nichts anderes als ein Paket aus Dateien und Ordnern, jedoch ohne Metadaten und ohne Integration in das Paketmanagement. Häufig enthält es:
– Die eigentliche Binärdatei (z.B. program, program.sh oder eine Java-Startdatei)
– Benötigte Bibliotheken im lib-Verzeichnis
– Konfiguration und Vorlagen in etc-, share- oder conf-Verzeichnissen
– Ein start-Skript oder eine launcher-Datei, die die Anwendung komfortabel aufruft
Dieses Modell ähnelt in seiner Philosophie portablen Programmen unter anderen Betriebssystemen. Die Anwendung bleibt weitgehend in einem Verzeichnis „eingesperrt“ und kann durch einfaches Löschen dieses Ordners wieder entfernt werden.
Einordnung und Abgrenzung
Im Vergleich zu DEB / RPM, Snap, Flatpak und AppImage nimmt das Installationsarchiv eine Zwischenposition ein. Es ist universeller als distributionsspezifische Pakete, aber weniger standardisiert als Snap und Flatpak und weniger „fertig verpackt“ als ein einzelnes AppImage.
Gerade für kleinere Projekte oder Closed-Source-Tools ist das Installationsarchiv oft der einfachste Weg, Nutzern eine fertige, lauffähige Version anzubieten, ohne sich in die Details der Paketformate einarbeiten zu müssen.
Vor- und Nachteile des Installationsarchivs
Das Installationsarchiv hat klare Stärken, aber auch Grenzen:
Vorteile
– Sehr einfache Bereitstellung für Entwickler, da nur ein Verzeichnis gepackt wird
– Keine Bindung an eine bestimmte Distribution oder Paket-Toolchain
– Portables Verhalten: Der Ordner lässt sich leicht verschieben oder komplett entfernen
– Kein Eingriff in das Systempaketmanagement, dadurch geringeres Risiko von Konflikten
Nachteile
– Keine automatischen Updates, Nutzer müssen neue Versionen selbst herunterladen und austauschen
– Keine automatische Integration in Desktop-Umgebungen, Starter und Menüeinträge sind Handarbeit oder erfordern zusätzliche Skripte
– Sicherheitsfunktionen wie Signaturprüfung, Sandboxing oder feine Rechteverwaltung sind nicht automatisch gegeben
– Keine zentrale Übersicht im Paketmanager, was die Verwaltung im Unternehmensumfeld erschweren kann
Fazit
Wer Wert auf maximale Kontrolle, einfache Verteilung und Portabilität legt, wird mit einem Installationsarchiv oft sehr zufrieden sein. In Umgebungen mit vielen Systemen, Compliance-Anforderungen und Bedarf an automatisierten Updates sind dagegen klassische Pakete oder moderne Formate mit Store-Anbindung meist die bessere Wahl.

3 Reaktionen
Ich schätze bei den linux-bibel-Beiträgen die verständliche Sprache, die unkomplizierte Darstellung und die kurze aber vollständige Beschreibung des Sachverhaltes. Was ich so lese – eigentlich unübertroffen.
Nun will ich ja nicht unverschämt sein – aber nach appimage, snap und zip wäre eine Beschreibung, wie man ein Programm aus den Quellen selbst compiliert für mich sehr interessant.
Gruss aus dem sonnigen Vogtland – didi
Hallo @didi,
danke für das Lob – das reiche ich gerne an alle Mit-Autoren weiter… 🙂
Zum Thema kompilieren gibt es auf der Linux-Bibel schon einige Beiträge:
https://linux-bibel.at/index.php/2025/08/23/kompilieren-unter-linux-ein-kurzer-ueberblick/
https://linux-bibel.at/index.php/2023/09/03/software-unter-linux-selbst-kompilieren/
https://linux-bibel.at/index.php/2024/02/03/linux-kernel-fuer-debian-selbst-kompilieren/
Selber kompilieren hört sich komplizierter an, als es eigentlich ist. Es kann u.U. etwas zeitaufwändig werden, wenn immer wieder Abhängigkeiten nachinstalliert werden müssen, bevor man den nächsten Schritt erreicht…
Ich mache das meist, wenn ich eine Anwendung unbedingt haben möchte, für die aber kein – einigermaßen aktuelles – anderes Paketformat verfügbar ist.
Grüße aus dem tief verschneiten Bay. Wald.
Danke – werde ich mir reinziehen 🙂