Desktop‑Linux polarisiert: Manche lieben Freiheit, Anpassbarkeit und Unabhängigkeit – andere stolpern im Alltag über fehlende Software, wackelige Hardware-Unterstützung oder komplexe Paketverwaltung. Gerade weil sich starke Argumente auf beiden Seiten finden, eignet sich das Thema hervorragend für eine konstruktive Diskussion, zu der ich am Ende des Beitrags gerne einlade.
Warum Linux am Desktop begeistert
Linux vermittelt vielen Nutzern das Gefühl echter Kontrolle über den eigenen Rechner: Keine erzwungenen Online‑Konten, keine aggressiven Hintergrund‑Updates, kaum Telemetrie, dafür fein steuerbare Dienste und Autostarts. Gleichzeitig läuft Linux meist erstaunlich flüssig auf älterer Hardware – ideal, um ausrangierten PCs ein zweites Leben zu schenken und ressourcenschonend zu arbeiten.
Ein weiterer Pluspunkt ist die enorme Anpassbarkeit: Vom Desktop‑Layout über Themes und Panel‑Positionen bis hin zum Fenstermanager lässt sich nahezu alles verändern. So entstehen sehr individuelle Arbeitsumgebungen. Dazu kommt die Vielfalt an Distributionen – von einsteigerfreundlichen Systemen bis hin zu Rolling‑Release‑Varianten mit topaktueller Software, sodass für nahezu jeden Geschmack etwas dabei ist.
Viele Anwender schätzen außerdem den Fokus auf Privatsphäre und offene Software: Standardprogramme und Betriebssystem sind überwiegend Open Source, was Transparenz schafft und Vertrauen in Sicherheit und Codequalität stärkt. Für typische Alltagsaufgaben wie Surfen, Office, Medienkonsum und Kommunikation stehen ausgereifte Anwendungen, App‑Stores und Paketformate wie Flatpak, Snap und andere bereit, sodass der Alltag problemlos bewältigt werden kann.
Kurz gesagt: Linux gibt den Nutzern die Kontrolle zurück – mit Freiheit, Transparenz und erstaunlicher Effizienz.
Wo Linux am Desktop frustriert
Trotz aller Pluspunkte gibt es im Alltag spürbare Ärgernisse. Besonders schmerzlich ist, dass viele proprietäre Programme – etwa die Adobe‑Suite, bestimmte CAD‑Tools, Branchen‑ oder Steuerlösungen – nicht nativ verfügbar sind. Alternativen oder Wine‑Workarounds bieten nicht immer denselben Komfort oder Funktionsumfang. Das kann die Zusammenarbeit erschweren, vor allem wenn komplexe Office‑Dokumente oder proprietäre Dateiformate im Spiel sind, die unter Linux nicht ganz identisch funktionieren.
Auch im Bereich Hardware‑Support lauern Stolpersteine: Bestimmte Drucker, Scanner, Audio‑Interfaces, Webcams oder brandneue Grafikkarten werden von Herstellern nicht immer gut für Linux unterstützt, was zu fehlenden Funktionen oder aufwendigen Bastellösungen führen kann. Selbst wenn die Kernhardware läuft, können Dinge wie Mehrmonitor‑Setups, HiDPI‑Darstellung oder Energiesparfunktionen manchmal störrisch reagieren.
Hinzu kommt eine gewisse Fragmentierung: Unterschiedliche Paketformate, mehrere Paketquellen und verschiedene Update‑Strategien können schnell für Verwirrung sorgen – besonders bei Einsteigern. Scheitert ein System‑Upgrade oder geraten Paket‑Abhängigkeiten durcheinander, landet man schnell im Terminal vor kryptischen Fehlermeldungen, was frustrierend wirken kann.
Hier zeigt sich: Wer Linux nutzt, braucht gelegentlich Geduld – und die Bereitschaft, technische Details anzupacken.
Fazit
Wie sind eure Erfahrungen? Was begeistert euch an Linux – und wo seid ihr schon an Grenzen gestoßen?
Ich freue mich auf eure Perspektiven! Aus einer lebendigen Diskussion entstehen oft neue Blickwinkel – vielleicht sogar Anregungen für kommende Beiträge.
Titelbild: Designed by Freepik

15 Reaktionen
linux only!
Im privaten Bereich fällt mir kein Grund für etwas anderes ein.
Der Schritt von Windoof zu Freiheit war nicht allzu schwierig.
Und wenn etwas klemmte, Frage an Dr. Goggle und Hilfe bei den daraus folgenden Verbindungen erhalten.
Freundlich gefragt – freundliche Antwort bekommen (manchmal waren natürlich auch ein paar Dodeln dabei).
[Tippfehler beabsichtigt]
linuxopa schrieb:
Der Schritt von Windoof zu Freiheit war nicht allzu schwierig
Muss das Wort Windo…. wirklich sein?
Windows ist auch ein tolles Betriebssystem und hat solch eine Bezeichnung nicht verdient.
Das Produkt aus Redmond hat mich beruflich jahrelang gequält, daher der Unmut.
So ziemlich alles, was auf dem Linux Kernel basiert, ist dagegen ein Seelenschmeichler.
Nix für ungut.
Nun, ich verwende Linux seit mehr als 13 Jahren ausschließlich.
Mir hat eigentlich nie ein Programm gefehlt. Zugegeben, ich war schon vorher keine Photoshop Nutzerin und darum ist es mir Wahrscheinlich nie abgegangen.
Begonnen habe ich damals – wie wahrscheinlich viele – mit OpenSuse. Dann kam Ubuntu, aber sehr schnell wechselte ich auf Manjaro und landete schlussendlich bei Arch.
Ich verwendete Arch einige Jahre und dann versuchte ich mich mal wieder an Debian und seitdem sind meine Lebensgefährtin und ich dort sesshaft geworden.
Anfangs hatte ich Zweifel, wegen der möglichen vielen PPA’s einzubinden. Früher war das so, aber in Zeiten von Flatpak habe ich kein einziges Fremd PPA eingebunden und ich muss sagen, Debian läuft stabil.
Da ich nicht die neueste Hardware habe, brauche ich auch nicht den neuesten Kernel und auch bei den Programmen brauche ich nicht immer die neueste Verion.
Natürlich dürfen sich hier auch User melden, die absolut nicht mit Linux zufrieden sind und gerne auch den Grund / die Gründe nennen. Keine Sorge, wohl jeder hatte so seine „Anfangsschwierigkeiten“ mit Linux…
Bin seit Dezember 2024 mit Linux-Mint dabei. In der Regel bin ich zufrieden. Leider sind ein paar Programme für die ich keinen Ersatz (mit gleichen Funktionen) gefunden habe. Deswegen lasse ich in einer VM Windows 10 laufen. Die Hersteller haben auch kein Interresse daran ihr Programm zu Linux zu portieren.
Das hängt meist mit wirtschaftlichen Interessen zusammen:
Für Firmen lohnt sich der zusätzliche Entwicklungs- und Supportaufwand für Linux schlicht nicht, weil der überwiegende Teil ihrer Kundschaft Windows nutzt – sie sehen unter Linux einfach zu wenig Reichweite. Außerdem setzen viele auf geschlossene Systemintegrationen oder Lizenzmodelle, die unter Linux schwerer umzusetzen sind.
Ich bin vor etwa 8 Jahren von macOS zu Linux umgestiegen…
Hab mir damals aus Neugierde auf einem ausgemusterten Firmen-PC ein Ubuntu installiert.
Inzwischen arbeite ich auf 2 selbstgekauften Desktop-PCs und einem gebrauchten Lenovo-Notebook mit aktuellen Ubuntu-Versionen.
Ich vermisse einzig und allein die macOS-Software „FotoMagico“, weil es unter Linux leider kein Präsentationsprogramm dieser Qualität gibt.
Als Bildbearbeitung nutze ich die Windows-Version (!) von „PhotoLine“ über WINE, weil ich GIMP und Artverwandte nicht mag…
zu ausgemusteter PC: Hier läuft Ubuntu in diversen Ausführungen auf 4 ausgemusterten Büro-Arbeitspferden zu ca. 80€ pro Stück, gebrauchte Festplatten rundum, ausser /, das liegt auf einer SSD. Auf dem ZyXEL-NAS ebenfalls etwas mit linux-Kern, steinalt, aber rennt fehlerfrei, bis notgedrungenderweise mal heruntergefahren werden muss wg. arbeiten am Stromnetz. Das Produkt aus Redmond würde auf den Maschinen noch nicht einmal starten.
Ich habe zum ersten Mal Linux Debian nicht neu installiert (was ich am Jahresanfang immer mache um ein neues frisches System zu bekommen), sondern ich habe in der sources.list statt bookworm trixie eingefügt.
Erstaunlich problemlos lief der Systemwechsel ab. Und das auf einem sehr billigen System, welches auch schon über 10 Jahre alt ist, wenn nicht mehr. Q1900 Motherboard.
Gut, ich hab auch nicht viele Ansprüche, für mich ist das System ausreichend flott und ich hab auch nur ganz wenige Programme installiert. LibreOffice, Chrome, LibreCad, VLC und die üblichen sonstigen.
Ich verwende entweder synaptic oder apt. Wenn ich mir ein neues LibreOffice hole dann dpkg.
Mit ppa’s kämpfe ich immer *g*, aber das ist nur geschuldet meiner Faulheit das ich das mal ordentlich check. Gibt ja Internet, wenn man nicht mehr weiter weiß! 🙂
Früher hatte ich ein ein System mit Win und Linux. Das hab ich aber schon viele Jahre nicht mehr. Vermisse es auch nicht. Aber ich lehne sowas auch nicht ab.
Linux kenn ich schon seit 2004, beschäftige mich aber nie wirklich mit dem System, es muss laufen!
Ich bin nur ein einfacher Nutzer 🙂
liebe Grüße aus 1210 Wien
Ich habe Linux ,irgendeins, seit ~2007/08. Vorher hatte ich ~9Mon WinVista. Weiß der Teufel,wie ich das Aushielt. Dann bin ich auf irgendein Linux umgestiegen und seither bin ich ein zufriedener (Laptop)nutzer. Aktuell nutze ich bis zum EOL Mint Cinnamon 22.2
Ich für mich selbst muss sage – jetzt seit dem Jahr 2000 absolut und ausschließlich privat unter Linux, seit etwa drei Jahren auch beruflich. Mir selbst geht nichts ab, ich hab nur noch in der Firma einen Laptop, mit dem ich alle halben Jahre mal eine von uns erstellte Windows-Config testen darf – darauf pickt ein Klebezettel mit „Pandoras Box“ 🙂
Meine ersten Gehversuche mit Linux waren so um 2003 – wie bei vielen mit SuSE.
Mit dem Start von Ubuntu wurde das Interesse erst so richtig geweckt. Anfangs noch im Dual-Betrieb,
erfolgte schnell die strikte Trennung von Windows und Linux auf separaten PCs. Seit 2015 laufen alle
PC-Systeme privat mit Linux – genauer gesagt überwiegend mit Debian 13 und Xfce.
Besonders schätze ich neben der relativen Sicherheit die individuelle Gestaltungsfreiheit.
[Professionelle] Software gibt es unter Linux heutzutage für nahezu alle Kategorien – für Otto-Normal-User mehr als ausreichend. Ich persönlich vermisse nichts.
Privat bin ich seit ca. 15 Jahren mit Linux unterwegs; beruflich habe ich für eine einzige Anwendung Windows gebraucht und aus familiären Gründen habe ich mir in den letzten vier Kenntnisse in MacOS angeeignet.
Aufgrund des Supportendes von Win 10 und weil immer mehr Leuten klar wird, dass wir eine digitale US-Kolonie sind, gibt es ein gesteigertes Interesse an Linux im Bekanntenkreis.
Dummerweise stellen verschiedene Distris und Oberflächen auf Wayland um. Mein Manjaro hat das schon geschrottet – es fährt nicht mehr hoch. MXLinux mit Wayland ist mit dem Nouveau-Treiber kaum zu bedienen. Gott sei Dank habe ich diverse Systeme auf meinen Rechnern, aber wer hat das schon.
Wayland wird seit vielen Jahren als geplanter Nachfolger von X11 entwickelt und der Wechsel war in der Linux‑Welt lange klar kommuniziert. Desktop-Projekte und App-Entwickler haben die Umstellung aber aus begrenzten Ressourcen, Vorsicht und nicht selten aus Bequemlichkeit sehr lange hinausgezögert.
Dadurch entstand genau die Situation, die du beschreibst: Distributionen schalten jetzt ernsthaft auf Wayland um, während einige Desktops (z.B. Cinnamon, Xfce uva.) und viele Programme erst spät oder nur halbherzig angepasst wurden, was den Frust bei den Nutzern verständlich macht…