Dänemarks Digitalisierungsministerium hat einen viel beachteten Pilotversuch mit der Open-Source-Bürosoftware Collabora eingestellt. Damit endet vorerst ein Projekt, das als Symbol für die digitale Unabhängigkeit europäischer Verwaltungen von US-Technologiekonzernen galt und zwar ohne öffentliche Auswertung der Ergebnisse.

Ein Projekt gegen die Abhängigkeit

Im Sommer 2025 begannen 38 Beschäftigte des damaligen dänischen Digitalisierungsministeriums, Microsoft Word, Excel und PowerPoint durch Collabora zu ersetzen. Die britische Suite basiert auf LibreOffice und sollte zeigen, ob ein Ministerium im Alltag ohne Microsofts Bürosoftware auskommen kann. Die damalige Digitalisierungsministerin Caroline Stage Olsen hatte den Versuch als Schritt zu weniger Abhängigkeit von amerikanischer Technologie begrüßt.

Der größere Hintergrund war die Debatte über digitale Souveränität: Europäische Regierungen prüfen seit einiger Zeit, wie stark sie von wenigen US-Anbietern abhängig sein wollen. Dänemark wollte mit dem Ministerium eine Vorreiterrolle einnehmen und Erfahrungen für die breitere öffentliche Verwaltung gewinnen.

Technische Hürden im Dokumentenalltag

Der Test verlief laut dänischen und internationalen Berichten nicht reibungslos. Betroffene Mitarbeitende berichteten über Probleme mit Formatvorlagen und Absatzformatierung, leere Seiten beim Öffnen von Dokumenten sowie Schwierigkeiten mit der Änderungsnachverfolgung. Gerade diese Funktionen sind in Ministerien zentral, weil Dokumente häufig gemeinsam bearbeitet, geprüft und archiviert werden.

Besonders problematisch war die Zusammenarbeit mit bestehenden Microsoft-Dateien. Collabora musste Dokumente im Format OOXML – also etwa .docx, .xlsx und .pptx – zuverlässig verarbeiten und mit dem dänischen Fachverfahren F2 des Anbieters cBrain zusammenarbeiten. Genau an dieser Schnittstelle zwischen gewohnten Microsoft-Workflows und einer Open-Source-Lösung zeigten sich die größten praktischen Reibungen.

Ende ohne belastbare Bilanz

Nach Angaben des dänischen Fachmediums Computerworld war das Projekt bereits beendet, als die dänische Regierung im Februar 2026 vorgezogene Wahlen ausrief. Ein Sprecher bestätigte später, dass der Versuch nicht fortgesetzt wird. Eine geplante Evaluation, die Collabora systematisch mit Microsoft Office verglichen hätte, fand jedoch nicht statt.

Das ist der eigentlich kritische Punkt: Ob Collabora grundsätzlich ungeeignet war, ob die Probleme lösbar gewesen wären oder ob politischer Personalwechsel und Wahlkampf das Projekt zum Erliegen brachten, lässt sich anhand der bekannten Informationen nicht entscheiden. Der Wirtschaftswissenschaftler Mikkel Flyverbom von der Copenhagen Business School kritisierte genau diese fehlende Auswertung; andere Verwaltungen könnten aus den Erfahrungen nicht lernen.

Was der Abbruch bedeutet und – vor allem – was nicht

Der Abbruch belegt nicht, dass Open Source in der Verwaltung scheitert. Er zeigt vielmehr, wie anspruchsvoll eine Migration ist, wenn jahrelang erstellte Microsoft-Dateien, komplexe Fachanwendungen, Sicherheitsanforderungen und eingelebte Arbeitsabläufe zusammenkommen müssen. Ein Pilot mit 38 Personen ist zudem kein flächendeckender Umstieg, sondern ein begrenzter Praxistest.

Zugleich schwächt das stille Ende das Anliegen digitaler Souveränität. Ohne veröffentlichten Bericht fehlen belastbare Erkenntnisse dazu, welche Dokumenttypen Probleme verursachten, wie schwerwiegend sie waren und ob Alternativen wie LibreOffice, OnlyOffice oder andere Lösungen geprüft wurden. Kritiker bemängeln insbesondere, dass offenbar nur eine Open-Source-Suite getestet wurde, statt mehrere Kandidaten parallel zu vergleichen.

Die Lehre für Linux und Open Source

Für Verwaltungen bleibt die Kernfrage bestehen: Wie lässt sich Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern erreichen, ohne die tägliche Arbeit zu gefährden? Eine realistische Antwort dürfte weniger in einem abrupten Totalumstieg liegen als in schrittweisen Maßnahmen – etwa offenen Dokumentformaten, interoperablen Fachverfahren, klar definierten Migrationskriterien und einer gründlichen, transparenten Evaluation.

Der dänische Fall ist damit weniger ein Urteil über Collabora oder LibreOffice als eine Warnung vor schlecht dokumentierten Pilotprojekten. Open Source kann in Behörden funktionieren. Ob es das im konkreten Umfeld tut, entscheidet sich jedoch nicht an der Software allein, sondern an Formaten, Integration, Schulung, Support und einer ehrlichen Auswertung.

Titelbild: Image by rawpixel.com on Magnific

Quellen:
iBestuur

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