Die Linux‑Distribution Manjaro befindet sich seit März 2026 in einer offenen Strukturkrise, die das Projekt an einen entscheidenden Wendepunkt gebracht hat. Ein von Entwicklern und Administratoren getragenes „Manjaro 2.0‑Manifest“ fordert die Überführung der Distribution in einen eingetragenen Verein, mehr Mitbestimmung und Transparenz sowie den schrittweisen Transfer von Markenrechten und Infrastruktur von der Manjaro GmbH & Co. KG an die Community.

Das Manifest

Forderungen nach Verein, Transparenz und Zugriffsrechten

Das im offiziellen Forum veröffentlichte Dokument beschreibt Manjaro als in einer „langjährigen Abwärtsspirale“ befindlich. Kritisiert werden vor allem die starke Machtkonzentration bei einer Einzelperson, unklare Finanzflüsse und wiederkehrende technische Pannen – wie abgelaufene TLS‑Zertifikate oder Probleme mit dem Paketmanager Pamac.

Die Kernforderungen der Community-Vertreter umfassen:

  • Die Gründung eines e.V. als rechtlicher Träger der Distribution.
  • Flache Entscheidungsstrukturen mit verbindlichen Abstimmungsfristen.
  • Eine vollkommen transparente Verwendung von Spendengeldern.
  • Uneingeschränkte Zugriffsrechte des Teams auf Server, Build‑Systeme und Repository‑Schlüssel.

Eskalation

Administratoren‑Streik und Fork‑Diskussion

Parallel zum Manifest riefen die Unterzeichnenden einen „Generalstreik“ aus: Die Moderation im Forum wurde weitgehend eingestellt, neue Account‑Freischaltungen pausierten und nicht‑essenzielle Entwicklungsarbeiten wurden vorübergehend zurückgehalten. In der Community wurde zugleich offen über einen Hard Fork unter neuem Namen diskutiert; in Forenbeiträgen kursierte zeitweise der Arbeitsname „Kili“ (als Anspielung auf den Kilimandscharo). Betroffen von den Maßnahmen waren vor allem Nutzerinnen und Nutzer, die auf Support und rasche Fehlerbehebung angewiesen sind.

Reaktion der Geschäftsführung

Grundsätzliche Offenheit, aber klare Grenzen

Philip Müller, Mitgründer und geschäftsführender Gesellschafter der Manjaro GmbH & Co. KG, erklärte, grundsätzlich keine Einwände gegen die Gründung eines Vereins zu haben. Er verwies jedoch auf die notwendige Trennung zwischen unternehmensrelevanten Assets und der Community‑Infrastruktur. In seiner Antwort betonte er, dass ein konkreter Übergangsplan und eine klar definierte neue Organisation zwingende Voraussetzungen für weitergehende Schritte seien. Zugleich stellte er rechtliche Konsequenzen für Handlungen in Aussicht, die dem Ruf oder dem Geschäft der Firma schaden könnten.

Zwischenlösung

Kein Fork, aber lange Übergangsphase

Ende März 2026 signalisierte ein führender Community‑Vertreter im Forum, dass ein Fork vorerst vom Tisch sei. Stattdessen wolle man mit der Gründung des e.V. fortfahren, um eine koexistierende Struktur aus Verein und GmbH zu schaffen. Zugleich wurde jedoch deutlich, dass die konkreten Modalitäten der Zusammenarbeit, der Markennutzung und des Infrastrukturaustauschs noch keineswegs ausverhandelt sind und stark von der weiteren Entwicklung des Vereins abhängen.

Technische Entwicklung

Weiterhin ISOs, Kernel‑ und Desktop‑Updates

Trotz der organisatorischen Unruhen läuft die technische Basis vorerst weiter. Bereits Anfang 2026 erschien die Version 26.0.4 („Anh‑Linh“) als neues ISO‑Image. Die im Vorjahr veröffentlichte Serie 24.2 („Yonada“) dient mit Linux‑Kernel 6.12 LTS, GNOME 47 und KDE Plasma 6.2 weiterhin als Referenz. Während im Stable‑Zweig Core‑Pakete wie Desktop‑Frameworks, Browser und Grafiktreiber aktualisiert wurden, liefen im Testing‑Zweig auch im April mehrere größere Update‑Wellen durch. Die Entwickler versuchen somit, den Desktop-Betrieb für die Endanwender stabil zu halten.

Ausblick

Zwei Szenarien mit unterschiedlichen Risiken

Branchenkenner und Fachkommentare sehen für die Zukunft von Manjaro zwei denkbare Pfade:

Der geordnete Übergang: Eine zielführende Transformation hin zu einer Vereinsstruktur bei fortbestehender GmbH. Dieser Weg hängt jedoch von langwierigen und potenziell konfliktgeladenen Verhandlungen über Marken, Infrastruktur und Finanzierung ab.

    Der Hard Fork: Ein radikaler Schnitt unter neuem Namen. Dies würde dem Entwicklerteam zwar absolute technische Freiheit bieten, riskiert jedoch den Verlust der Markenbekanntheit, etablierter Hardware‑Partnerschaften und gewachscher Community‑Strukturen.

    Unabhängig davon, welchen Weg das Projekt einschlägt, bleibt die Kernfrage: Wie kann Manjaro sein Alleinstellungsmerkmal – ein benutzerfreundliches, künstlich verzögertes Arch‑Rolling‑Release mit grafischem Paketmanager – langfristig gegen aufstrebende und agile Alternativen wie EndeavourOS oder CachyOS behaupten?

    Categories:

    Tags:

    Schreibe einen Kommentar

    Noch keine Reaktion

    Neue Themen im Forum
    AnduinOSHallo @linuxopa, ein Beitrag zu AnduinOS liegt schon einige Zei … Weiterlesen
    Statistik für Juni 2026Die Entwicklung im WIKI im Juni 2026 Insgesamt wurden 29 Beiträ … Weiterlesen
    KompatibilitätstestprogrammIch glaube, man muss hier ein bisschen aufpassen, das nicht zu sta … Weiterlesen
    Kategorien im Wiki
    WIKI-Beiträge des Monates

    Die Beiträge des Monates finden Sie im Kalender unter den blau markierten Tageszahlen.

    Juli 2026
    M D M D F S S
     12345
    6789101112
    13141516171819
    20212223242526
    2728293031  
    Archiv