Das Programm tar gehört zu den Klassikern in der Unix- und Linux-Welt. Es dient dazu, mehrere
Dateien und Verzeichnisse in einem einzigen Archiv zusammenzufassen, ohne sie zwangsläufig
zu komprimieren. Der Name leitet sich von „Tape Archiver“ ab, da es ursprünglich für
Datensicherungen auf Bandlaufwerken entwickelt wurde.

Was ein tar-Archiv ausmacht

Ein tar-Archiv ist im Kern eine Aneinanderreihung von Dateien inklusive grundlegender
Metadaten wie Dateinamen, Zeitstempel und Berechtigungen. Jede Datei wird unverändert, also
unkomprimiert, in das Archiv geschrieben. Dadurch eignet sich tar besonders gut, um komplette
Verzeichnisbäume, inklusive Unix-Rechten und symbolischer Links, konsistent zu sichern.
Das Ergebnis ist typischerweise eine Datei mit der Endung .tar, oft auch als „Tarball
bezeichnet. Ein solcher Tarball lässt sich leicht kopieren, verschieben oder als Ganzes sichern –
etwa als Backup eines Konfigurationsverzeichnisses oder eines Softwareprojekts.

Kombination von tar und Kompression

Da tar selbst nicht komprimiert, wird es üblicherweise mit separaten Kompressionsprogrammen
kombiniert. In der Praxis entstehen dadurch weit verbreitete Varianten:

tar + gzip → .tar.gz oder .tgz
tar + bzip2 → .tar.bz2
tar + xz → .tar.xz

Die Arbeitsweise ist dabei immer ähnlich: Zuerst fasst tar alle Dateien in einem Archiv
zusammen, anschließend wird dieses Archiv durch das Kompressionsprogramm verkleinert.
Dadurch kann die Kompression Redundanzen über alle enthaltenen Dateien hinweg nutzen, was
oft zu sehr effizienten Archivgrößen führt.

Häufig genutzte tar-Varianten

Reine tar-Archive (.tar)

Ein einfaches .tar-Archiv wird häufig genutzt, wenn keine Kompression benötigt wird, etwa:

– auf sehr schnellen oder bereits komprimierten Dateisystemen,
– wenn CPU-Leistung geschont werden soll,
– oder wenn vor allem Struktur und Metadaten erhalten bleiben sollen.

Das Erstellen eines solchen Archivs kann beispielsweise so aussehen:

tar -cf backup.tar /pfad/zum/verzeichnis

Gzip-komprimierte tar-Archive (.tar.gz / .tgz)

Die Kombination mit gzip ist eine der am weitesten verbreiteten Formen. Sie bietet einen guten
Kompromiss aus Kompressionsrate und Geschwindigkeit.
Typische Einsatzfälle sind:

– Verteilung von Quelltexten freier Software,
– Sicherung von Home-Verzeichnissen,
– Alltagssicherung auf Servern.

Beispiel

tar -czf projekt.tar.gz projektverzeichnis/

Bzip2- und xz-Varianten (.tar.bz2 / .tar.xz)

bzip2 und xz zielen auf eine stärkere Kompression als gzip, benötigen dafür aber meist mehr
Rechenzeit. Sie werden gern eingesetzt, wenn maximale Platzersparnis wichtiger ist als
Geschwindigkeit, etwa bei Archivierung großer Datenbestände.

Beispiele

tar -cjf daten.tar.bz2 daten/
tar -cJf archiv.tar.xz ordner/

Unterschied zu zip-Archiven

Auch wenn tar und zip beide Archivdateien erzeugen, ist ihr Konzept unterschiedlich:

tar
Erstellt zunächst ein reines Archiv, Kompression ist optional und wird separat vorgenommen.

zip
Verbindet Archivierung und Kompression; jede Datei wird einzeln komprimiert und im Archiv gespeichert.

Dadurch lassen sich aus einem zip-Archiv einzelne Dateien oft direkt extrahieren, ohne das gesamte Archiv dekomprimieren zu müssen.
Bei komprimierten tar-Archiven (z.B. .tar.gz) wird typischerweise das komplette Archiv im Hintergrund entpackt, bevor einzelne Dateien zugänglich sind.

tar in typischen Linux-Szenarien

In Linux- und Unix-Umgebungen ist tar quasi der Standard für:

System- und Konfigurationsbackups, Paketierung von Software (z.B. Quellcode-Distributionen),
Archivierung kompletter Verzeichnisbäume inklusive Berechtigungen und Symbolic Links.
Durch die gute Unterstützung von Dateirechten, Besitzern und speziellen Dateitypen ist tar
besonders geeignet für System- und Serverumgebungen, in denen diese Informationen kritisch sind.

Wichtige Grundoptionen im Überblick

Bei der Arbeit mit tar begegnen immer wieder die gleichen Optionen, die meist kombiniert werden:

c – create: Neues Archiv erstellen.
x – extract: Archiv entpacken.
t – list: Inhalt eines Archivs auflisten.
f – file: Dateiname des Archivs angeben (immer verwenden).
z – gzip-Kompression verwenden.
j – bzip2-Kompression verwenden.
J – xz-Kompression verwenden.

Beispiele

Inhalt anzeigen:

tar -tf archiv.tar

Komprimiertes Archiv entpacken (.tar.gz):

tar -xzf archiv.tar.gz

Nur eine bestimmte Datei entpacken:

tar -xzf archiv.tar.gz pfad/zur/datei

Warum tar heute noch wichtig ist

Trotz neuerer Werkzeuge bleibt tar ein zentrales Werkzeug in der Linux-Welt. Es ist robust, weit
verbreitet und hervorragend geeignet, die Struktur und Eigenschaften von Dateien vollständig
zu bewahren. In Kombination mit modernen Kompressionsverfahren wie gzip oder xz entstehen
flexible, effiziente Archive, die in nahezu jeder Unix-ähnlichen Umgebung unterstützt werden. Wer regelmäßig mit Linux-Systemen arbeitet, trifft fast zwangsläufig auf tar – sei es beim
Erstellen von Backups, beim Installieren von Software aus Quellcode oder beim Austausch
komplexer Verzeichnisstrukturen.

Titelbild: Designed by Freepik

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