Euro-Office wird als europäische Alternative zu Microsoft Office und Google Workspace lanciert. Schon die offizielle Kommunikation zeigt jedoch klar: Der private Normalnutzer ist nicht die eigentliche Zielgruppe. Das Projekt zielt vor allem auf Behörden, Bildungseinrichtungen, Unternehmen und andere Organisationen, die ihre Dokumentverarbeitung selbst betreiben und unabhängiger von US-Cloud-Anbietern werden wollen.

Euro Office
Die große Masse nicht in der Zielgruppe?
Die Entfernung von „Otto Normalverbraucher“ ist kein Zufall. Die Hintergrundinformationen beschreiben Euro-Office als Suite, die in bestehende Plattformen wie Nextcloud oder vergleichbare Dienste eingebunden wird. Geplant ist vorrangig eine webbasierte Lösung, die in größeren Infrastrukturen läuft – nicht ein klassisches Desktop-Programm, das man herunterlädt und lokal installiert. Für den institutionellen Bereich ist das sinnvoll, weil sich dort eigene Cloud-Infrastrukturen betreiben lassen. Für den privaten Nutzer ist das hingegen ein unbequemer Einstieg.
Kein lokales Office für Endverbraucher?
Ein zentraler Punkt erschwert die Nutzung für die Masse: Euro-Office ist nach der aktuellen Planung kein lokales Office, das sich Endverbraucher einfach installieren können. Dienstanbieter wie IONOS oder Nextcloud sollen es als Bestandteil ihrer Angebote bereitstellen. Das bedeutet konkret: Wer keine eigene Cloud oder keinen passenden Anbieter nutzt, kann Euro-Office vorerst kaum direkt einsetzen.
Webbasierte Office-Suiten sind technisch sinnvoll, wenn man sie in eine eigene Infrastruktur integriert. Für den Heimanwender, der einfach nur schreiben, Tabellen öffnen oder Präsentationen bearbeiten will, fehlt jedoch der direkte Zugang. Das Projekt ist damit eher ein Infrastruktur-Baustein als ein Produkt für den typischen Privatnutzer.
Desktop- und Mobil-Apps:
Nur ein Zukunftsversprechen?
Die Verantwortlichen planen offenbar, das Projekt in ferner Zukunft zu erweitern. In den aktuellen Meldungen wird von Desktop- und Mobilanwendungen sowie zusätzlichen Integrationen gesprochen. Das deutet darauf hin, dass langfristig mehr Nutzergruppen erreicht werden sollen. Der erste Schritt bleibt aber klar organisationsorientiert: Erst liegt der Fokus auf Plattformbetreibern und Großkunden, später sollen zusätzliche Apps die Nutzung breiter machen.
Für den klassischen Endanwender bedeutet das vorerst: Kein bequemes „Installieren und loslegen“. Euro-Office wird im Moment nur indirekt nutzbar. Ein direkter Einzelplatz-Einsatz steht derzeit nicht im Vordergrund.
Cloud statt Offline – Für viele User ein Hemmnis
Die starke Ausrichtung auf Cloud und Plattformintegration ist ein zentrales Problem für die Alltagstauglichkeit. Viele private Nutzer, Vereine oder kleine Betriebe suchen gerade keine neue Cloud-Plattform, sondern ein unkompliziertes Offline-Programm für den eigenen Rechner. Wenn ein Produkt diesen Bedarf nicht abdeckt, bleibt es für große Teile des Marktes unpraktisch.
Für normale Anwender ist vor allem ein Punkt entscheidend: Software muss leicht erreichbar sein. Genau daran hapert es bei Euro-Office derzeit. Statt eines klaren Downloads für den Desktop oder einer gut sichtbaren Testversion landet man oft bei Umwegen über Projektseiten, GitHub-Verweise oder Web-Umgebungen. Für viele User ist das unnötig kompliziert.
Warum das Thema trotzdem wichtig ist
Trotz der Kritik ist die Idee hinter dem Projekt nicht unwichtig. Eine europäische Office-Alternative kann politisch und technologisch sinnvoll sein, gerade wenn Unabhängigkeit von großen US-Anbietern ein Ziel ist. Allerdings reicht ein gutes Ziel allein nicht aus. Eine Software setzt sich nur dann durch, wenn sie für breite Nutzergruppen einfach, verständlich und ohne Zusatzhürden nutzbar ist.
Fazit: Euro-Office zieht am Massenmarkt vorbei
Euro-Office ist derzeit als souveräne Cloud-Suite klar auf Organisationen ausgerichtet, nicht auf den privaten Massenmarkt. Für Otto Normalverbraucher ist das im Moment kaum sinnvoll nutzbar. Es gibt keinen einfachen lokalen Download, den Einstieg dominiert die Cloud-Nutzung, und die Zugänglichkeit ist technisch umständlich.
Langfristig könnte sich das ändern, wenn Desktop-Anwendungen und breitere Partnerangebote kommen. Bis dahin bleibt Euro-Office jedoch ein Infrastruktur-Projekt, das zunächst an der Alltagstauglichkeit für den Durchschnittsnutzer vorbeigeht. Wer eine breite Akzeptanz erreichen will, muss Software so bereitstellen, dass sie ohne Umwege funktioniert – und genau daran fehlt es hier im Moment noch deutlich.

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Der überwiegende Teil des Codes, auf dem Euro-Office basiert und den es weiterhin importiert, stammt jedoch offenbar von Entwicklern, die in russischen Zeitzonen arbeiten. Das zeigt eine Cybernews-Analyse des Quellcodes.
Nur ein Bruchteil des Codes lässt sich dem europäischen Konsortium hinter Euro-Office zuschreiben, größtenteils dem deutschen Unternehmen Nextcloud. Bis zu 99 Prozent hingegen lassen sich auf Arbeit zurückführen, die nach russischer Uhrzeit verrichtet wurde, so die Ergebnisse.
Recherchen des Cybernews-Infosecurity-Teams, die noch vor dem geplanten Launch am 9. Juni durchgeführt wurden, zeigen, dass Euro-Office auch nach der Abspaltung im März weiterhin frischen russischen Code einbindet, darunter netzwerkrelevante Komponenten. Das wirft Sicherheitsfragen auf.
„Eines der gravierendsten Probleme sei, dass der Code ein Android-Bundle von einer unbekannten Cloud-Ressource abrufe, was Sicherheitsbedenken hinsichtlich dessen Inhalts, der Eigentumsverhältnisse und einer möglichen jederzeitigen Manipulation aufwerfe“, laut Cybernews-Recherche.
Zwischen OnlyOffice und Euro-Office herrscht Streit über die Nutzung des Codes: Das europäische Konsortium lehnt eine Zusammenarbeit wegen der Russland-Verbindungen und Praktiken ab, die es als untransparent bezeichnet.
OnlyOffice ist in Lettland registriert, die Inhaber sitzen in Singapur, und das Unternehmen gibt an, Russland verlassen zu haben. Eine Analyse des eigenen Codes legt jedoch etwas anderes nahe.
Quelle: https://cybernews.com/de/sicherheit/microsoft-office-alternative-anfallig-fur-russische-manipulationen/
Der Hinweis ist sicherlich diskussionswürdig, aber man sollte ihn sauber einordnen. Dass ein großer Teil des übernommenen Codes offenbar von Entwicklern stammt, die in russischen Zeitzonen gearbeitet haben, ist zunächst einmal ein Indiz zur Herkunft von Beiträgen – kein automatischer Beweis für Manipulation oder für ein Sicherheitsproblem des gesamten Projekts.
Entscheidend wäre daher, ob die konkrete Analyse nachvollziehbar belegt, welche Teile des Codes betroffen sind, wie der Zusammenhang zwischen Zeitzone und Urheberschaft hergestellt wurde und ob es unabhängige technische Prüfungen gibt. Gerade bei Open-Source-Projekten sagt die geografische oder zeitliche Zuordnung von Commits nur begrenzt etwas über Qualität, Vertrauenswürdigkeit oder Sicherheit aus.
Wenn es tatsächlich um sicherheitsrelevante Komponenten geht, müsste man außerdem klären, ob der Code aktuell überprüft wurde, wer ihn gepflegt hat und ob die eingebundenen Abhängigkeiten transparent dokumentiert sind. Ohne diese Details bleibt die Aussage eher ein Hinweis als ein belastbarer Nachweis.
Ja wollte nur darauf hinweisen. Es sollte jedenfalls weiterhin beobachtet werden. Dies sind meine bedenken.
Kein Problem.
Ich verwende z.B. auch OnlyOffice – wohlwissend dass es ein Projekt russ. Entwickler ist. Diese Tatsache alleine macht es aber ebenfalls noch nicht vertrauensunwürdig. Zum einem ist es Open Source – der Quellcode also einsehbar – der von den Machern von Euro Office derzeit ’durchleuchtet’ wird. Es gibt gute Gründe, weshalb OnlyOffice als Basis für Euro Office dient…