Speichermedien wie USB‑Sticks, SSDs oder externe Festplatten geben auf der Verpackung oft großzügig dimensionierte Kapazitäten an, die im Betriebssystem scheinbar nicht erreicht werden. Wer ein als „500 GB“ beworbenes Laufwerk kauft und anschließend nur rund 465 GiB in der Datenträgerverwaltung sieht, vermutet schnell einen Defekt oder Betrug. Tatsächlich steckt dahinter eine Kombination aus unterschiedlichen Rechenweisen und marketingfreundlicher Darstellung – ergänzt durch echte Fälschungen im Niedrigpreis-Segment. Dieser Beitrag erläutert, wie diese Unterschiede entstehen, welche Rolle Dezimal‑ und Binärpräfixe spielen und wie sich mit einfachen Terminalbefehlen und Testwerkzeugen die tatsächlich nutzbare Kapazität nachvollziehbar überprüfen lässt.
Dezimal vs. Binär – die Grundlage des „Schummelns“
Hersteller rechnen mit Dezimalpräfixen:
– 1 kB = 1 000 Bytes
– 1 MB = 1 000 000 Bytes
– 1 GB = 1 000 000 000 Bytes
Betriebssysteme verwenden intern zumeist binäre Werte (korrekt: KiB, MiB, GiB):
– 1 KiB = 1 024 Bytes
– 1 MiB = 1 024² = 1 048 576 Bytes
– 1 GiB = 1 024³ = 1 073 741 824 Bytes
Beispiel: Ein Laufwerk mit 500 107 862 016 Bytes.
Hersteller‑„GB“:
500107862016/1000000000 ≈ 500,11GB
System‑„GiB“:
500107862016/1073741824 ≈ 465,8GiB
Auf der Verpackung steht also „500 GB“, das System zeigt ungefähr 466 GiB an.
Neutrale Praxisbeispiele im Terminal
1. Größe in Bytes ermitteln
Zunächst das Blockgerät identifizieren:
lsblk
Im Beispiel kommt das Gerät /dev/sdc zu tragen.
Mit dem Befehl:
sudo blockdev --getsize64 /dev/sdc
lesen wir die Größe in Bytes aus:

also:
500107862016
2. Umrechnung in Hersteller‑GB
BYTES=$(sudo blockdev --getsize64 /dev/sdc)
awk -v b="$BYTES" 'BEGIN{printf "Kapazität (Hersteller-GB): %.2f GB\n", b/1000000000}'

3. Umrechnung in GiB (binär)
BYTES=$(sudo blockdev --getsize64 /dev/sdc)
awk -v b="$BYTES" 'BEGIN{printf "Kapazität (GiB): %.2f GiB\n", b/1073741824}'

Damit lassen sich die beiden Sichtweisen direkt vergleichen.
Weitere Beispielgrößen
Einige typische Nennkapazitäten und die dazugehörigen GiB:
Nennkapazität 32 GB:
32 000 000 000 Bytes ≈ 29,8 GiB
Nennkapazität 128 GB:
128 000 000 000 Bytes ≈ 119,2 GiB
Nennkapazität 1 TB (1000 GB):
1 000 000 000 000 Bytes ≈ 931,3 GiB
Formel allgemein:
GiB = Bytes ÷ 1.073.741.824
GB = Bytes ÷ 1.000.000.000
Marketing‑Effekt und echte Fälschungen
Hersteller setzen auf dezimale GB (1 GB = 1.000.000.000 Bytes), weil die Zahlen größer und werbewirksamer klingen – „500 GB“ verkauft sich besser als „465 GiB“. Betriebssysteme rechnen hingegen binär (1 GiB = 1.073.741.824 Bytes) und zeigen so 6–10% kleinere Werte an.
Noch schlimmer: Echte Fälschungen
Billigstangenbote haben oft Controller, die 128 TB melden, aber nur 8 GB Flash enthalten. Überschüssige Daten verschwinden einfach.
Betrug identifizieren mit f3
Das Tool f3 („Fight Flash Fraud“) testet die echte Kapazität von USB-Sticks und SSDs, indem es den Speicher vollständig beschreibt und danach verifiziert. Es erkennt sowohl Fake-Kapazitäten als auch defekte Sektoren.
Vorbereitung
1. Installation (Debian/Ubuntu):
sudo apt update && sudo apt install f3
2. USB-Stick identifizieren:
lsblk
Mountpunkt notieren, z.B. /media/usb oder /run/media/user/USB.
Wichtiger Hinweis: Vor Beginn alle Daten sichern! Der Test löscht alles!
3. Schreibtest (f3write):
f3write /media/usb
– Erstellt sequentielle 1‑GB‑Dateien (1.h2w, 2.h2w, …).
– Dauer: Bei 64 GB / USB 2.0 ca. 1–2 Stunden – je nach Leistung.
– Fortschritt wird live angezeigt.
Beispielausgabe
Creating file 1.h2w … ok!
Creating file 2.h2w … ok!
…
Avg write 42.1 MB/s
4. Lesetest (f3read):
f3read /media/usb
– Liest alle Testdateien und prüft Integrität.
– Zeigt Data OK, Data FAILED und corrupted Sektoren.
Ergebnis echt (500 GB Stick)
Data OK: 465.8 GiB (0 B corrupted)
Ergebnis Fake („1 TB“, real 8 GB)
Data OK: 7.9 GiB (923.1 GiB corrupted!)
5. Schnelltest für große Medien (f3probe)
Für SSDs >128 GB (schneller, destruktiv):
lsblk # Gerät finden, z.B. /dev/sdc
sudo f3probe --destructive /dev/sdc
Testet direkt auf Blockgeräteebene, dauert Minuten statt Stunden.
Interpretation
– Data OK ≈ gemeldete Größe: Gerät ist echt
– Data OK << Anzeige: Fake oder defekt – Rückgabe empfohlen.
Aufräumen: Nach Test einfach neu formatieren.
Fazit
Speicherangaben sind ein Minenfeld aus Marketingrechnung (dezimale GB vs. binäre GiB) und potenziellen Fälschungen. Mit einfachen Terminalbefehlen wie blockdev und awk lassen sich Unterschiede schnell transparent machen, f3 entlarvt echte Betrugsfälle zuverlässig und schützt vor Fehlkäufen und falschen Erwartungen.
Titelbild: Designed by Freepik

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