ElixirOffice ist eine neue, freie Office-Suite, die gezielt Menschen anspricht, die an Microsoft Office gewöhnt sind. Das Projekt von Gaël Duval, dem Schöpfer von Mandrake Linux, basiert auf Euro-Office und ONLYOFFICE-Technik und versucht, die gewohnte Bedienung von Word, Excel und PowerPoint unter einer freien Lizenz nachzubilden.

ElixirOffice – Textverarbeitung
Die Idee hinter dem Projekt
Der Ausgangspunkt ist ein bekanntes Problem: Viele Nutzerinnen und Nutzer scheitern beim Wechsel zu freien Office-Paketen nicht an fehlenden Funktionen, sondern an veränderten Menüs, anderen Tastenkürzeln und einem ungewohnten Umgang mit Dokumenten. Gaël Duval beschreibt dies am Beispiel seiner Partnerin, einer Lehrerin, die trotz wiederholter Versuche stets zu Microsoft Office zurückkehrte.

ElixirOffice – Tabellenkalkulation
ElixirOffice setzt daher nicht auf eine völlig eigene Bedienphilosophie, sondern bewusst auf Vertrautheit. Ribbon-Oberfläche, Menüs, Dialoge und Tastenkombinationen orientieren sich an Microsoft Office. Damit soll insbesondere der Umstieg für Personen erleichtert werden, die jahrelang mit Word, Excel und PowerPoint gearbeitet haben.

ElixirOffice – Präsentation
Technische Grundlage und Lizenz
Das Projekt wurde nicht von Grund auf neu geschrieben. ElixirOffice baut auf Euro-Office auf, einer Abspaltung der ONLYOFFICE-Dokumentkomponenten. Die ursprünglichen Copyright-Hinweise, Lizenzdateien und Quellenangaben bleiben erhalten; das Projekt betont zugleich, weder mit Microsoft noch mit Ascensio System, dem Hersteller von ONLYOFFICE, oder dem Euro-Office-Projekt verbunden zu sein.
ElixirOffice steht unter der GNU Affero General Public License Version 3 (AGPL-3.0). Damit handelt es sich um freie Software, deren Quellcode öffentlich auf GitHub verfügbar ist. Der Code-Umfang ist derzeit noch überschaubar, und das Projekt befindet sich ausdrücklich im Beta-Stadium.
Dokumente, Formate und Kompatibilität
Die Suite umfasst Editoren für Textdokumente, Tabellen und Präsentationen. Sie öffnet sowohl Microsoft-Formate wie .docx, .xlsx und .pptx als auch die OpenDocument-Pendants .odt, .ods und .odp.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Layouttreue. Statt Microsoft-Schriftarten mitzuliefern, verwendet ElixirOffice freie, metrisch kompatible Alternativen. Damit sollen Zeilen- und Seitenumbrüche möglichst erhalten bleiben, auch wenn ein Dokument ursprünglich für Microsoft Office erstellt wurde. Zusätzlich sind die Schulf fonts Marelle sowie Ersatzschriften für Seyes-Notenlinien enthalten.
Desktop, Server und Cloud-Anbindung
ElixirOffice erscheint in zwei Varianten. Die Desktop-Anwendung läuft vollständig lokal und offline – Dokumente verlassen den Rechner nicht. Für Linux stehen derzeit ein AppImage sowie ein DEB-Paket für Debian und Ubuntu bereit, daneben gibt es Installer für Windows und ein Disk-Image für macOS auf Apple-Silicon-Geräten.
Die Server-Variante richtet sich an Teams, Schulen und Organisationen. Sie wird per Docker selbst gehostet und im Browser genutzt. Sie unterstützt Echtzeit-Kollaboration sowie optional die Anbindung an Murena Workspace und Nextcloud. Die Startseite mit diesen Cloud-Konten ist standardmäßig deaktiviert.
Datenschutz und KI-Funktionen
Das Projekt wirbt damit, keine Telemetrie zu erheben und keine Daten an den Herausgeber zu senden. In der Desktop-Version und im optionalen lokalen Konvertierungsmodus sollen Dokumente ausschließlich auf dem eigenen Gerät verarbeitet werden.
Künstliche Intelligenz ist kein zwingender Bestandteil der Suite. Die KI-Funktionen bleiben deaktiviert, bis ein eigenes Modell angebunden wird. Unterstützt werden OpenAI-kompatible Dienste, darunter auch lokal betriebene Modelle etwa über Ollama. Änderungen durch die KI sollen als nachverfolgte Änderungen erscheinen und sich einzeln rückgängig machen lassen.
Leistung und aktuelle Einschränkungen
Technisch interessant ist der zu WebAssembly kompilierte Dokumentkonverter. Laut Projektangaben wurde das Modul von 106 auf 53 MB verkleinert, große Dokumente sollen dadurch deutlich schneller öffnen. Als Beispiel nennt das Repository ein 97-seitiges Word-Dokument, das in etwa 0,4 Sekunden konvertiert und in 0,08 Sekunden gespeichert wird.
Trotzdem sollte ElixirOffice derzeit mit angemessenen Erwartungen getestet werden. Die Desktop-Version unterstützt noch keine Konten, Serienbriefe, gemeinsame Bearbeitung, Versionshistorie oder passwortgeschützte Dateien. Die Installationspakete sind zudem noch nicht signiert beziehungsweise notarisiert, weshalb Betriebssysteme beim ersten Start unter Umständen warnen.
Fazit
ElixirOffice ist ein spannender Versuch, die größte Hürde beim Wechsel weg von Microsoft Office zu beseitigen: die Gewohnheit. Statt LibreOffice oder ONLYOFFICE um zu erfinden, setzt das Projekt auf eine vertraute Office-Optik, gute Kompatibilität mit gängigen Dokumentformaten und eine datenschutzfreundliche lokale Verarbeitung.
Ob sich ElixirOffice langfristig behaupten kann, ist angesichts des Beta-Status und der noch vorhandenen Funktionseinschränkungen offen. Für Interessierte, die eine freie Alternative mit möglichst geringer Umstellungshürde suchen, ist das Projekt dennoch einen Blick wert – besonders unter Linux, wo die AppImage- und DEB-Varianten einen unkomplizierten Einstieg ermöglichen.

Noch keine Reaktion