{"id":25347,"date":"2026-10-26T11:50:53","date_gmt":"2026-10-26T10:50:53","guid":{"rendered":"https:\/\/linux-bibel.at\/?p=25347"},"modified":"2026-10-26T11:57:59","modified_gmt":"2026-10-26T10:57:59","slug":"daenemark-beendet-stillschweigend-seinen-collabora-test","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/linux-bibel.at\/index.php\/2026\/10\/26\/daenemark-beendet-stillschweigend-seinen-collabora-test\/","title":{"rendered":"D\u00e4nemark beendet stillschweigend seinen Collabora-Test"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">D\u00e4nemarks Digitalisierungsministerium hat einen viel beachteten Pilotversuch mit der Open-Source-B\u00fcrosoftware Collabora eingestellt. Damit endet vorerst ein Projekt, das als Symbol f\u00fcr die digitale Unabh\u00e4ngigkeit europ\u00e4ischer Verwaltungen von US-Technologiekonzernen galt und zwar ohne \u00f6ffentliche Auswertung der Ergebnisse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:26px\">Ein Projekt gegen die Abh\u00e4ngigkeit<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Sommer 2025 begannen 38 Besch\u00e4ftigte des damaligen d\u00e4nischen Digitalisierungsministeriums, Microsoft Word, Excel und PowerPoint durch Collabora zu ersetzen. Die britische Suite basiert auf LibreOffice und sollte zeigen, ob ein Ministerium im Alltag ohne Microsofts B\u00fcrosoftware auskommen kann. Die damalige Digitalisierungsministerin Caroline Stage Olsen hatte den Versuch als Schritt zu weniger Abh\u00e4ngigkeit von amerikanischer Technologie begr\u00fc\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der gr\u00f6\u00dfere Hintergrund war die Debatte \u00fcber digitale Souver\u00e4nit\u00e4t: Europ\u00e4ische Regierungen pr\u00fcfen seit einiger Zeit, wie stark sie von wenigen US-Anbietern abh\u00e4ngig sein wollen. D\u00e4nemark wollte mit dem Ministerium eine Vorreiterrolle einnehmen und Erfahrungen f\u00fcr die breitere \u00f6ffentliche Verwaltung gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:26px\">Technische H\u00fcrden im Dokumentenalltag<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Test verlief laut d\u00e4nischen und internationalen Berichten nicht reibungslos. Betroffene Mitarbeitende berichteten \u00fcber Probleme mit Formatvorlagen und Absatzformatierung, leere Seiten beim \u00d6ffnen von Dokumenten sowie Schwierigkeiten mit der \u00c4nderungsnachverfolgung. Gerade diese Funktionen sind in Ministerien zentral, weil Dokumente h\u00e4ufig gemeinsam bearbeitet, gepr\u00fcft und archiviert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders problematisch war die Zusammenarbeit mit bestehenden Microsoft-Dateien. Collabora musste Dokumente im Format OOXML \u2013 also etwa .docx, .xlsx und .pptx \u2013 zuverl\u00e4ssig verarbeiten und mit dem d\u00e4nischen Fachverfahren F2 des Anbieters cBrain zusammenarbeiten. Genau an dieser Schnittstelle zwischen gewohnten Microsoft-Workflows und einer Open-Source-L\u00f6sung zeigten sich die gr\u00f6\u00dften praktischen Reibungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:26px\">Ende ohne belastbare Bilanz<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Angaben des d\u00e4nischen Fachmediums Computerworld war das Projekt bereits beendet, als die d\u00e4nische Regierung im Februar 2026 vorgezogene Wahlen ausrief. Ein Sprecher best\u00e4tigte sp\u00e4ter, dass der Versuch nicht fortgesetzt wird. Eine geplante Evaluation, die Collabora systematisch mit Microsoft Office verglichen h\u00e4tte, fand jedoch nicht statt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist der eigentlich kritische Punkt: Ob Collabora grunds\u00e4tzlich ungeeignet war, ob die Probleme l\u00f6sbar gewesen w\u00e4ren oder ob politischer Personalwechsel und Wahlkampf das Projekt zum Erliegen brachten, l\u00e4sst sich anhand der bekannten Informationen nicht entscheiden. Der Wirtschaftswissenschaftler Mikkel Flyverbom von der Copenhagen Business School kritisierte genau diese fehlende Auswertung; andere Verwaltungen k\u00f6nnten aus den Erfahrungen nicht lernen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:26px\">Was der Abbruch bedeutet und &#8211; vor allem &#8211; was nicht<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Abbruch belegt nicht, dass Open Source in der Verwaltung scheitert. Er zeigt vielmehr, wie anspruchsvoll eine Migration ist, wenn jahrelang erstellte Microsoft-Dateien, komplexe Fachanwendungen, Sicherheitsanforderungen und eingelebte Arbeitsabl\u00e4ufe zusammenkommen m\u00fcssen. Ein Pilot mit 38 Personen ist zudem kein fl\u00e4chendeckender Umstieg, sondern ein begrenzter Praxistest.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zugleich schw\u00e4cht das stille Ende das Anliegen digitaler Souver\u00e4nit\u00e4t. Ohne ver\u00f6ffentlichten Bericht fehlen belastbare Erkenntnisse dazu, welche Dokumenttypen Probleme verursachten, wie schwerwiegend sie waren und ob Alternativen wie LibreOffice, OnlyOffice oder andere L\u00f6sungen gepr\u00fcft wurden. Kritiker bem\u00e4ngeln insbesondere, dass offenbar nur eine Open-Source-Suite getestet wurde, statt mehrere Kandidaten parallel zu vergleichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:26px\">Die Lehre f\u00fcr Linux und Open Source<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Verwaltungen bleibt die Kernfrage bestehen: Wie l\u00e4sst sich Unabh\u00e4ngigkeit von einzelnen Anbietern erreichen, ohne die t\u00e4gliche Arbeit zu gef\u00e4hrden? Eine realistische Antwort d\u00fcrfte weniger in einem abrupten Totalumstieg liegen als in schrittweisen Ma\u00dfnahmen \u2013 etwa offenen Dokumentformaten, interoperablen Fachverfahren, klar definierten Migrationskriterien und einer gr\u00fcndlichen, transparenten Evaluation.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der d\u00e4nische Fall ist damit weniger ein Urteil \u00fcber Collabora oder LibreOffice als eine Warnung vor schlecht dokumentierten Pilotprojekten. Open Source kann in Beh\u00f6rden funktionieren. Ob es das im konkreten Umfeld tut, entscheidet sich jedoch nicht an der Software allein, sondern an Formaten, Integration, Schulung, Support und einer ehrlichen Auswertung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Titelbild: <a href=\"https:\/\/www.magnific.com\/free-vector\/illustration-denmark-flag_2922490.htm\">Image by rawpixel.com on Magnific<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quellen:<br><a href=\"https:\/\/ibestuur.nl\/overheid-in-transitie\/politiek-en-beleid\/denemarken-stopt-stilzwijgend-alternatief-voor-microsoft\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/ibestuur.nl\/overheid-in-transitie\/politiek-en-beleid\/denemarken-stopt-stilzwijgend-alternatief-voor-microsoft\">iBestuur<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>D\u00e4nemarks Digitalisierungsministerium hat einen viel beachteten Pilotversuch mit der Open-Source-B\u00fcrosoftware Collabora eingestellt. 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