{"id":25329,"date":"2026-10-23T14:40:59","date_gmt":"2026-10-23T12:40:59","guid":{"rendered":"https:\/\/linux-bibel.at\/?p=25329"},"modified":"2026-10-23T14:40:59","modified_gmt":"2026-10-23T12:40:59","slug":"euro-office-desktop-editors-vom-server-auf-den-schreibtisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/linux-bibel.at\/index.php\/2026\/10\/23\/euro-office-desktop-editors-vom-server-auf-den-schreibtisch\/","title":{"rendered":"Euro-Office Desktop Editors \u2013 Vom Server auf den Schreibtisch"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kaum ein Open-Source-Projekt hat in diesem Jahr so viel Aufmerksamkeit erhalten wie <strong>Euro-Office<\/strong>. Das im M\u00e4rz 2026 in Berlin vorgestellte und von einem Konsortium europ\u00e4ischer Technologieunternehmen \u2013 allen voran Nextcloud und IONOS, daneben unter anderem Proton, OpenProject, XWiki und Abilian \u2013 getragene B\u00fcro-Paket ist ein Fork von OnlyOffice und verfolgt ein erkl\u00e4rtes Ziel: Die Unabh\u00e4ngigkeit europ\u00e4ischer Verwaltungen und Unternehmen von Microsoft Office. Nachdem am 9. Juni 2026 zun\u00e4chst der DocumentServer, also die Browser-Engine f\u00fcr kollaboratives Arbeiten, als stabile Version 1.0 erschien, war die Desktop-Anwendung lange Zeit das fehlende Puzzleteil. Mit der Desktop-Editors-Version 9.3.6 vom 22. Oktober 2026 ist dieses St\u00fcck nun nachgereicht. Der Blick auf den aktuellen Stand lohnt sich, besonders f\u00fcr Linux-Nutzer<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/linux-bibel.at\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/euro-office_1.png\" rel=\"lightbox-0\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"558\" src=\"https:\/\/linux-bibel.at\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/euro-office_1-1024x558.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-25332\" srcset=\"https:\/\/linux-bibel.at\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/euro-office_1-1024x558.png 1024w, https:\/\/linux-bibel.at\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/euro-office_1-1536x837.png 1536w, https:\/\/linux-bibel.at\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/euro-office_1-150x82.png 150w, https:\/\/linux-bibel.at\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/euro-office_1-300x163.png 300w, https:\/\/linux-bibel.at\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/euro-office_1-768x418.png 768w, https:\/\/linux-bibel.at\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/euro-office_1.png 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Versionsnummer t\u00e4uscht \u00fcbrigens: Sie dokumentiert keine neunj\u00e4hrige Eigenentwicklung, sondern wird vom OnlyOffice-Code geerbt, von dem der Fork abstammt. Die Arbeit dahinter ist dennoch eigenst\u00e4ndig \u2013 das Konsortium hat die Codebasis bereinigt und ver\u00f6ffentlicht sie unter einer reinen AGPLv3, ohne die umstrittenen Zusatzklauseln des urspr\u00fcnglichen Entwicklers Ascensio System SIA (TechSpot).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:26px\">Entwicklungsstand: Ein junger Fork mit raschem Tempo<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Desktop-Editors sind in wenigen Monaten von einem nachgelagerten Repository zu einem vollwertigen Bestandteil des Euro-Office-\u00d6kosystems gereift. Die Release-Historie auf GitHub zeigt einen eng getakteten Zyklus: Nach v9.3.5-2 vom 9. Oktober folgte am 20. Oktober die Release-Kandidat v9.3.6-rc.1, und nur zwei Tage sp\u00e4ter die finale v9.3.6 \u2013 mit insgesamt 15 ausgelieferten Bin\u00e4rpaketen f\u00fcr Windows, macOS und Linux, jeweils mit SHA256-Pr\u00fcfsummen und signierten Commits.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/linux-bibel.at\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/euro-office_0.png\" rel=\"lightbox-1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"555\" src=\"https:\/\/linux-bibel.at\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/euro-office_0-1024x555.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-25331\" srcset=\"https:\/\/linux-bibel.at\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/euro-office_0-1024x555.png 1024w, https:\/\/linux-bibel.at\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/euro-office_0-1536x832.png 1536w, https:\/\/linux-bibel.at\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/euro-office_0-150x81.png 150w, https:\/\/linux-bibel.at\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/euro-office_0-300x163.png 300w, https:\/\/linux-bibel.at\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/euro-office_0-768x416.png 768w, https:\/\/linux-bibel.at\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/euro-office_0.png 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Funktional deckt die Suite das ab, was von OnlyOffice bekannt ist: Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Pr\u00e4sentationen, ein PDF-Editor inklusive ausf\u00fcllbarer Formulare, ein Diagramm-Viewer, digitale Signaturen und Vollkompatibilit\u00e4t zu den Office-Open-XML-Formaten DOCX, XLSX und PPTX. Cloud-Anbindungen an Nextcloud, ownCloud, Seafile, kDrive, Moodle oder Liferay erm\u00f6glichen kollaboratives Arbeiten, die Oberfl\u00e4che ist in 46 Sprachen verf\u00fcgbar, darunter selbstverst\u00e4ndlich Deutsch. Angesichts des Alters des Projekts ist dieser Funktionsumfang beachtlich. Er ist freilich auch das Erbe des eingesessenen OnlyOffice-Code, auf dem rund 98 Prozent der Entwicklung bislang aus russischen Zeitzonen stammten, wie Kritiker anmerken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:26px\">Installation unter Linux<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der <a href=\"https:\/\/github.com\/Euro-Office\/DesktopEditors\/releases\/tag\/v9.3.6\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/github.com\/Euro-Office\/DesktopEditors\/releases\/tag\/v9.3.6\">GitHUb-Projektseite<\/a> finden Sie zum einem f\u00fcr Debian und darauf basierenden Distributionen DEB-Installationspakete sowie RPM-Files f\u00fcr Fedora, openSUSE usw. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:26px\">Konfliktstoff und offene Fragen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Zwischenbericht w\u00e4re unvollst\u00e4ndig ohne einen Blick auf die Begleitmusik. Kurz nach der Ver\u00f6ffentlichung kam es zum Konflikt mit Ascensio System SIA, das Euro-Office zun\u00e4chst massive Urheberrechts- und Lizenzverletzungen vorwarf, weil die umstrittenen Zusatzbedingungen aus der AGPLv3 entfernt worden waren. Einen Monat sp\u00e4ter ruderte Ascensio zur\u00fcck und bekannte sich zum Recht auf Forks von Open-Source-Software, solange die Herkunft f\u00fcr Nutzer erkennbar bleibt (Wikipedia, TechSpot). Diese Entspannung ist gut f\u00fcr das Projekt \u2013 die Grundfrage bleibt aber: Euro-Office f\u00fchrt weiterhin \u00c4nderungen aus dem OnlyOffice-Upstream fort &#8211; eine echte europ\u00e4ische Code-Hoheit entsteht erst mit wachsender eigener Beitragsbasis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite offene Flanke ist das Dateiformat. Euro-Office setzt prim\u00e4r auf Microsofts OOXML, was dem Deutschland-Stack widerspricht, der ODF und PDF\/UA vorschreibt. Die Document Foundation wies im Juni in einem offenen Brief darauf hin, dass eine auf OOXML gebaute \u201eSouver\u00e4nit\u00e4t&#8220; weiterhin Kontrolle in US-amerikanische H\u00e4nde gebe. Frank Karlitschek k\u00fcndigte daraufhin an, die vollst\u00e4ndige ODF-Unterst\u00fctzung stehe bei der n\u00e4chsten Entwicklungsrunde ganz oben auf der Agenda (Wikipedia). Wie schnell dieses Versprechen bei den Desktop-Editors ankommt, wird sich zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:26px\">Fazit<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn die Desktop-Editors erst wenige Monate alt sind, pr\u00e4sentieren sie sich heute schon erstaunlich erwachsen. Die Linux-Unterst\u00fctzung ist mit signierten APT- und DNF-Paketen, RPM-Paketen, Tar.xz-Archiven f\u00fcr x86_64 und ARM sowie einer nachvollziehbaren Docker-basierten Build-Umgebung besser dokumentiert, als man es von einem Projekt in diesem Stadium erwarten w\u00fcrde. Der Entwicklungsrhythmus ist ambitioniert, die Release-Praxis diszipliniert. Von der Vorabversion zur finalen Ausgabe vergingen diesmal gerade einmal zwei Tage. Wer eine quelloffene, interoperable und lokal lauff\u00e4hige Office-Suite sucht, die zudem europ\u00e4isch getragen wird, findet in Euro-Office Desktop Editors heute bereits ein gut nutzbares Werkzeug. Wenn das Projekt die versprochene ODF-Unterst\u00fctzung z\u00fcgig nachliefert und die eigene Entwicklerbasis weiter verbreitert, d\u00fcrfte aus dem viel beachteten Zwischenstand mehr als nur eine Fu\u00dfnote der Open-Source-Geschichte werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum ein Open-Source-Projekt hat in diesem Jahr so viel Aufmerksamkeit erhalten wie Euro-Office. 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